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Ines Bruckschen
12-07-2021 07:32
Aus dem Karriere-Coaching

Aus dem Karriere-Coaching

Susanne Kleiner dachte lange, sie sei die geborene Konzern-Mitarbeiterin. Bis die Kündigung ins Haus flatterte und sich der Weg in die Selbstständigkeit viel besser anfühlte als erwartet. Und eine ferne Insel Sehnsüchte weckte – mit Folgen.

Im Rückblick ist es oft ein eher kleiner Moment, der den Ausschlag gibt. Der eine Idee nicht vom Alltag forttragen, sondern sich setzen und zaghaft wachsen lässt. Bis sie robust genug ist, um auch raueren Zeiten zu trotzen. Susanne erlebte so einen Moment im Dezember 2010 auf Sri Lanka, als sie auf der Terrasse eines Hotels saß und auf das Meer blickte. Auf einmal spürte sie etwas, das sie so noch nicht kannte. Und das die Keimzelle für ein Projekt in ihr pflanzte, das ihr zunächst zu groß, zu gewagt erschien.

Doch wir müssen früher beginnen. Im Karriere-Coaching suchen wir den roten Faden, der sich durch das bisherige Leben zieht und die einzelnen Stationen miteinander verbindet. Oder vielmehr das, was Freude bereitet und Energie schenkt. Bei Susanne lief das bis zum Sommer 2009 ziemlich geradlinig: 17 Jahre bei einer großen deutschen Versicherung, erst als duale Studentin, später im Objekt- und Center-Management, die meiste Zeit schließlich in PR und Kommunikation. Was ihr durchaus gefiel.

Schock und Chance zugleich

Und doch: „Die Kündigung im Juni 2009 war Schock und Chance zugleich“, sagt sie heute. Nur sechs Wochen nach dem Beschäftigungsende beginnt Susanne einen Master-Studiengang „PR und Integrierte Kommunikation“, den sie ein gutes Jahr später abschließt. „Drei Tage nach der mündlichen Prüfung gründete ich – und war erst mal vollkommen erschöpft.“  Da ist ihr klar: Sie kann auf keinen Fall sofort loslegen, sondern muss erst mal wieder Energie tanken. „Ich weiß nicht, woher, aber plötzlich wusste ich: Es soll Sri Lanka sein.“ Sie bricht auf, macht eine Ayurveda Kur – und erlebt den Moment vom Anfang unserer Geschichte.

„Dieses Gefühl von damals ist schwer zu beschreiben. Ich habe mich noch nie so komplett gefühlt wie dort. So heil. Wie endlich angekommen.“ Natürlich ging ihr in diesen Tagen auch viel Berufliches durch den Kopf. Sie war mitten im Umbruch, viel Neuland lag vor ihr, viele Ideen wollten umgesetzt werden. Und daneben klopfte leise die kleine Idee an: Wie schön wäre es doch, genau hier, auf Sri Lanka, etwas Eigenes zu machen. Dauerhaft.

Zunächst wurde die kleine Idee von vernunftgesteuerten Gedanken zur Seite geschoben. „Du musst erst mal deine Existenz sichern“ tönte es am lautesten von ganz oben auf der Agenda, dicht gefolgt von „Geld verdienen“ und „unabhängig werden“. Aber immer dann, wenn das Getöse mal zur Ruhe kam, dann war die kleine, wirklich hübsche Stimme wieder da: „Wir könnten dieses Gefühl des Komplettseins auch für andere erlebbar machen. Hier!“

Keine Angst vor schweren Themen

Vergessen wir nicht, Susanne kommt aus der Versicherungsbranche. Hier geht es um Sicherheit. Als Freiberuflerin wagt sie sich in ein neues Feld vor und macht sich in den nächsten Jahren erst mal einen Namen als Krisen-PR- Spezialistin. Warum so ein schweres Thema? „Weil ich weiß, dass starke Botschaften einen Unterschied machen. In Krisen stehen Menschen extrem unter Druck. Da kann ich wirklich etwas bewirken.“

Sie lässt sich nebenbei als Mediatorin, Coach und Trainerin ausbilden und merkt schnell, wie gut diese Kompetenzen zu ihr passen. „Immer wieder bekomme ich die Rückmeldung von Kunden, sie würden sich bei mir wohl und gut aufgehoben fühlen. Die Medienstrategie kommt erst im zweiten Schritt, nachdem ich über Coaching-Fragen verstanden habe, worum es ihnen wirklich geht.“ Man hört ihr zu und glaubt es sofort: In schwierigen und komplexen Zeiten kann sie ein Anker sein, eine Energiequelle, ein Booster für Selbstverantwortung.

In den Jahren mitgewachsen ist – nebenbei – auch die kleine Sri-Lanka-Idee. So hat Susanne zuerst einen singhalesischen Kooperationspartner gefunden und mit ihm eine Gesellschaft gegründet. Wenige Monate später fand sich ein wunderschönes Grundstück am Meer, das sie kaufen konnten. Heute stehen zwei Appartements. „Immer, wenn ich wieder Überschüsse hatte, habe ich sie dort investiert.“ Jetzt hat sie ein Bild vor Augen: Eine Hand voll nachhaltig gebauter Hütten sieht sie, die den von weit her angereisten Menschen das Gefühl geben: Hier bist du zu Hause, hier darfst du sein, der du bist. „Sie werden ayurvedisch behandelt und liebevoll umsorgt.“

Überwältigend positive Reaktionen

Allerdings zögert Susanne lange, ihre kleine Sri-Lanka-Idee stolz der Welt zu präsentieren. „Die Leute werden mich für verrückt erklären“, denkt sie, und zeigt die Kleine nur einem ausgewählten Kreis von Menschen. In der Karriere-Coach-Ausbildung spricht sie es zum ersten Mal vor bis dahin Fremden aus: „Ich baue ein Ayurveda-Zentrum in Sri Lanka auf.“ Die Reaktion? Überwältigend positiv, neugierig, wertschätzend. Die Idee wächst weiter, bekommt neues Futter und dazu einen konkreten Plan, wie sie ins Laufen kommt.

Aber ach, dann kommt Corona. Diese schwere, launische Diva, die sich zwischen Susanne und ihre wunderschöne kleine Idee wirft. Reisen ist unmöglich, dazu brechen die Trainingsaufträge weg und Susannes gut gefüllter Terminkalender weist auf einmal grobe Lücken auf. Ist das der Moment, in dem sie die Investition am anderen Ende der Welt bereut? „Im Gegenteil: Gott sei Dank habe ich das vorher alles angeleiert, jetzt hätte ich nicht mehr den Mut dazu.“

Sie kompensiert die Trainingsausfälle mit neuen Produkten und bietet Schreibworkshops und Texttrainings an unter dem Motto „wortwörtlichwirken“. „Ich habe so viel Freude daran zu sehen, wie Menschen, die vorher glaubten, gar nicht schreiben zu können, jetzt auf einmal erkennen, wie sie ihre Sprache zu ihrem kraftvollen Diener machen können.“

Glückselige Leichtigkeit finden

Vor Kurzem hat Susanne ihre Charts aus dem Karriere-Coach-Kurs wieder aufgehängt. „Ich komme mir vor wie im Museum meiner Potenziale.“ Da hängen so viele Ideen ihrer Mit-Teilnehmenden, wie sie ihre Interessen, Stärken und Wünsche in Angebote umsetzen kann. „Manche der Ideen hatte ich ganz vergessen vor lauter Corona und Umstellen auf digital ...“ Viele drehen sich um Sri Lanka, das jetzt wieder mehr Raum bekommen kann.

„Sri Lanka ist mein Baby. Mit diesem Projekt möchte ich etwas Gutes in die Welt bringen und anderen Menschen diese glückselige Leichtigkeit schenken, die ich hier immer wieder spüre.“ Susanne weiß, dass sie ihr Baby in die Welt hinauslassen muss, damit es sich entfalten, laufen lernen kann. Ihre Intuition wird ihr dabei helfen, so wie sie ihr damals diesen Moment am Strand von Sri Lanka geschenkt hat. „Wir rennen so vielen Dingen hinterher, die wir gar nicht brauchen. Dabei sind wir dann am größten, wenn wir uns auf uns selbst und das, was uns im Wesenskern auszeichnet, konzentrieren.“

Mehr über Susanne: https://www.susanne-kleiner.de

 

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